Gefühle in der Gewaltfreien Kommunikation erkennen und wahrnehmen

Gefühle begleiten uns Menschen jeden Tag . Sie sind entscheidend für unser tägliches Leben, beeinflussen unser Denken, Handeln und Erleben und sind tief in unserer Evolution verwurzelt. Gefühle dienen als wichtige Signale, die uns helfen, auf unsere Umwelt zu reagieren, soziale Bindungen zu knüpfen und Entscheidungen zu treffen. Sie warnen uns vor Gefahren, verstärken positive Erfahrungen und motivieren uns zu bestimmten Handlungen.

Inhaltsverzeichnis

Einführung: Die Bedeutung von Gefühlen in der Gewaltfreien Kommunikation

  1. Praktische Tipps

    1. Gefühle von Gedanken unterscheiden

    2. Gefühle in der Kommunikation ausdrücken

    3. Gefühle bewusst wahrnehmen

    4. Gefühle als Warnsignale erkennen

    5. Umgang mit unangenehmen Gefühlen

  2. Fazit

  3. Zusätzliche Ressourcen

Einführung: Die Bedeutung von Gefühlen in der Gewaltfreien Kommunikation

Gefühle sind wesentliche Indikatoren für unsere Bedürfnisse und spielen eine zentrale Rolle in der Gewaltfreien Kommunikation (GFK). Wenn wir nicht lernen, unsere Gefühle bewusst wahrzunehmen, können wir wichtige Informationen über unsere inneren Zustände und Bedürfnisse übersehen. Dies kann dazu führen, dass wir in Konflikten oder angespannten Situationen unangemessen reagieren, uns überfordert fühlen oder unglücklich sind, ohne zu verstehen, warum. Das bewusste Wahrnehmen und Ausdrücken unserer Gefühle hilft uns, authentischer und klarer zu kommunizieren, was zu tieferem Verständnis und besseren Beziehungen führt.

In der hektischen und rational geprägten Arbeitswelt fällt es uns oft schwer, uns mit unseren Gefühlen zu verbinden. Hier sind einige praktische Tipps, wie Teams und Organisationen das Wahrnehmen und Aussprechen von Gefühlen in ihre alltäglichen Prozessen und Strukturen fördern und integrieren können.

Praktische Tipps

a. Gefühle von Gedanken unterscheiden

Beispiel: Ein Mitarbeiter könnte sich frustriert fühlen, weil er in Meetings oft denkt: „Meine Ideen werden nie berücksichtigt.“ Es ist wichtig, den Gedanken „Meine Ideen werden nie berücksichtigt“ von dem Gefühl der Frustration oder der Unsicherheit zu trennen. Die bewusste Wahrnehmung des Gefühls ohne die gedanklichen Interpretationen hilft, klarer zu kommunizieren.

Warum ist das wichtig: Das Trennen von Gefühlen und Gedanken hilft dabei, Missverständnisse zu vermeiden und Kommunikationsbarrieren abzubauen. Sprechen wir unsere Gedanken aus, enthalten diese oft Vorwürfe oder Beschuldigungen anderen gegenüber. Wenn wir uns auf das reine Gefühl konzentrieren, statt es mit gedanklichen Interpretationen zu vermischen, wird unsere Kommunikation präziser und weniger konfliktbehaftet. Dadurch können wir offener und effektiver auf die eigentlichen Bedürfnisse und Anliegen eingehen.

Praktische Übung: Halten Sie regelmäßig kurze Pausen in Meetings, in denen die Teilnehmer gebeten werden, ihre aktuellen Gefühle ohne Bewertungen zu benennen. Dies könnte so aussehen: „Ich bin gerade frustriert.“ Vermeiden Sie dabei Gedanken wie „weil meine Ideen ignoriert werden“.

b. Gefühle in der Kommunikation ausdrücken

Beispiel: Anstatt zu sagen: „Du hörst mir nie zu“, könnte ein Teammitglied sagen: „Ich fühle mich unsicher und nicht gehört, wenn meine Ideen nicht diskutiert werden.“ Dies drückt ein reines Gefühl aus und vermeidet Beschuldigungen.

Warum ist das wichtig: Gefühle klar auszudrücken, ohne andere zu beschuldigen, fördert eine respektvolle und konstruktive Kommunikation. Es verhindert Eskalationen und ermöglicht es dem Gegenüber, sich auf das Gefühl und die dahinterliegenden Bedürfnisse zu konzentrieren, anstatt sich verteidigen zu müssen. Dies stärkt das gegenseitige Verständnis und die Zusammenarbeit im Team.

Praktische Übung: Ermutigen Sie Teammitglieder, ihre Gefühle offen auszudrücken. Nutzen Sie Check-in-Runden am Beginn von Besprechungen, bei denen jeder Teilnehmer ein Gefühl teilt, das er oder sie gerade erlebt, z.B. „Ich fühle mich aufgeregt“ oder „Ich bin nervös“.

c. Gefühle bewusst wahrnehmen

Beispiel: In stressigen Situationen neigen wir dazu, unsere Gefühle zu unterdrücken. Ein Mitarbeiter, der sich gestresst fühlt, könnte lernen, innezuhalten und diesen Stress bewusst wahrzunehmen, anstatt ihn zu ignorieren oder zu unterdrücken.

Warum ist das wichtig: Gefühle zeigen sich immer durch Körperempfindungen. Leider haben die meisten Menschen verlernt auf ihren Körper zu hören. Das bewusste Wahrnehmen von Empfindungen hilft dabei, frühzeitig auf Stress und Überforderung zu reagieren, bevor diese zu ernsthaften Problemen führen. Es ermöglicht uns, unsere Bedürfnisse rechtzeitig zu erkennen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen und damit sowohl das individuelle Wohlbefinden als auch die Arbeitsleistung zu fördern.

Praktische Übung: Führen Sie in Ihrem Team Achtsamkeitsübungen ein, um das Bewusstsein für körperliche Empfindungen zu schärfen. Eine einfache Übung wäre, vor einem Meeting fünf Minuten stilles Sitzen einzuführen, in denen die Teilnehmer sich darauf konzentrieren, was sie in ihrem Körper fühlen.

d. Gefühle als Warnsignale erkennen

Beispiel: Ein Teammitglied, das sich regelmäßig erschöpft und demotiviert fühlt, sollte diese Gefühle als Warnsignale erkennen und Maßnahmen ergreifen, um die zugrunde liegenden Bedürfnisse (z.B. Erholung, Anerkennung) zu erfüllen.

Warum ist das wichtig: Das Erkennen und Ernstnehmen von Warnsignalen in Form von negativen Gefühlen kann Burnout und andere gesundheitliche Probleme verhindern. Es hilft dabei, rechtzeitig auf ungünstige Entwicklungen zu reagieren und fördert eine nachhaltige und gesunde Arbeitsweise. Zudem werden Themen wir mentale Gesundheit dadurch enttabuisiert und besprechbar gemacht.

Praktische Übung: Fördern Sie eine Kultur der Selbstreflexion, in der Mitarbeiter ermutigt werden, Tagebuch zu führen und regelmäßig über ihre Gefühle und die zugrunde liegenden Bedürfnisse nachzudenken. Dies könnte Teil der wöchentlichen Aufgaben sein.

e. Umgang mit unangenehmen Gefühlen

Beispiel: Ein Mitarbeiter fühlt sich während einer Besprechung missverstanden und reagiert defensiv. Indem er das unangenehme Gefühl erkennt und benennt („Ich bin sauer, denn bisher konnte ich meinen Vorschlag noch gar nicht erläutern, ich möchte erst mal aussprechen!“), kann er die Situation deeskalieren.

Warum ist das wichtig: Der bewusste Umgang mit unangenehmen Gefühlen verhindert, dass diese sich aufstauen und zu größeren Konflikten führen. Das offene Benennen von Gefühlen kann Spannungen abbauen und ermöglicht es, Probleme sachlicher und konstruktiver zu lösen. Dies fördert ein harmonisches und produktives Arbeitsumfeld.

Praktische Übung: Biete regelmäßige Trainings an, in denen Techniken zum Umgang mit unangenehmen Gefühlen vermittelt werden. Rollenspiele können dabei helfen, effektive Kommunikationstechniken zu üben, die auf der GFK basieren.

Fazit

Das Wahrnehmen und Ausdrücken von Gefühlen ist ein zentraler Bestandteil der Gewaltfreien Kommunikation und entscheidend für ein respektvolles und produktives Arbeitsumfeld. Durch die bewusste Integration dieser Praktiken in den Arbeitsalltag können Teams und Organisationen ihre Kommunikationsqualität verbessern und eine Kultur des Vertrauens und der Zusammenarbeit fördern. Ihr könnt diese Tipps und Übungen nutzen, um eure Fähigkeiten in der gewaltfreien Kommunikation zu stärken und die emotionale Intelligenz in eurem Team zu erhöhen.

Zusätzliche Ressourcen

Du kannst dir hier eine Liste mit Gefühlen und Pseudogefühlen (Gefühle die eigentlich Gedanken sind) runterladen. Das Nutzen der Listen hilft anfangs, um sich erstmal einen Gefühlswortschatz aufzubauen, denn die meisten von uns haben gar nicht gelernt ihre Gefühle so vielfältig zu benennen.

Zurück
Zurück

Bedürfnisse - Das Herzstück der Gewaltfreien Kommunikation. So erkennst und kommunizierst du sie

Weiter
Weiter

5 Beispiele Gewaltfreier Kommunikation und wie du sie im Alltag anwendest